Die Entzündung der Sehnenansätze (Enthesitis) gilt als Schlüsselsymptom der Spondyloarthritiden. Sie ist Bestandteil internationaler Klassifikationskriterien und spielt sowohl bei der Diagnosestellung als auch bei der Verlaufskontrolle eine Rolle. In der klinischen Untersuchung lässt sich eine Enthesitis jedoch oft nur ungenau erfassen, da Druckschmerz subjektiv ist und von Tagesform, Schmerzempfinden oder Begleiterkrankungen beeinflusst wird. Zudem können mechanische Belastungen – etwa durch körperliche Arbeit oder sportliche Aktivität – ähnliche Beschwerden verursachen. Für Patientinnen und Patienten entsteht daraus häufig die Frage, ob ihre Schmerzen Ausdruck einer aktiven Entzündung oder Folge alltäglicher Belastungen sind.
Betroffene und Kontrollen häufig ähnlich
Der Ultraschall hat sich in den letzten Jahren als wichtiges Instrument in der Rheumatologie etabliert. Er erlaubt es, verdickte oder aufgelockerte Sehnenansätze, kleine knöcherne Erosionen, Verkalkungen sowie eine gesteigerte Durchblutung als mögliches Zeichen aktiver Entzündung darzustellen. In der Schweizer Studie wurden bei 121 Teilnehmenden aus mehreren Kliniken insgesamt 2178 Enthesen untersucht, darunter typische Ansatzstellen an Schulter, Hüfte, Knie, Achillessehne und Fusssohle. Verglichen wurden Personen mit axialer Spondyloarthritis, mit Psoriasis- Arthritis sowie gesunde Kontrollpersonen. Dabei zeigte sich, dass viele strukturelle Veränderungen – etwa Verkalkungen oder knöcherne Anbauten – auch bei Gesunden häufig vorkommen. Wirklich unterscheidend waren vor allem sogenannte entzündliche Veränderungen im Graustufen-Ultraschall sowie das Vorhandensein eines Doppler-Signals, das auf eine aktive Entzündung hinweist.
Ansatz des Patellabands besonders relevant
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifftdie Frage, welche Enthesen für die Unterscheidung zwischen entzündlicher Erkrankung und unspezifischen Veränderungen besonders geeignet sind. Von neun untersuchten Ansatzstellen erwies sich in der statistischen Auswertung insbesondere der Ansatz des Patellabands unterhalb der Kniescheibe als relevant, um Menschen mit Spondyloarthritis von Gesunden zu unterscheiden. Für die klinische Praxis ist das bedeutsam: Statt zahlreiche Ansatzstellen zeitaufwendig zu untersuchen, könnten künftig gezielt jene Regionen im Fokus stehen, die den grössten diagnostischen Mehrwert bieten. Dies spart Zeit, schont Ressourcen und macht die Untersuchung für Patientinnen und Patienten weniger belastend.
Bestimmte Ansatzstellen in den Fokus rücken
Für Betroffene ist die Studie aus zwei Gründen wichtig. Erstens zeigt sie, dass nicht jede im Ultraschall sichtbare Veränderung automatisch ein Zeichen für Krankheitsaktivität ist. Das kann helfen, unnötige Sorgen zu reduzieren. Zweitens unterstreichen die Ergebnisse, dass gezielt gesuchte Entzündungszeichen wertvolle Hinweise für Therapieentscheidungen liefern können – etwa wenn es darum geht, eine medikamentöse Behandlung anzupassen oder den Erfolg einer bestehenden Therapie zu beurteilen. Langfristig könnte eine präzisere Ultraschalldiagnostik dazu beitragen, Über- und Unterbehandlungen zu vermeiden und die Versorgung von Menschen mit Morbus Bechterew weiter zu verbessern.
Elsehrawy, Gehad G., et al. «Topography of entheseal lesions on ultrasound: a comparative study between axial spondyloarthritis, psoriatic arthritis and healthy controls.» RMD open 11.4 (2025).
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 108 erschienen.