«Wir haben mehr Einfluss auf unser Wohlbefinden, als wir denken»

Psychische Gesundheit ist für Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA ebenso wichtig wie Bewegung oder Medikamente. Mit einer neuen Webinar-Reihe unterstützt die SVMB ihre Mitglieder darin, besser mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Geleitet wird das Angebot von Monika Spring – Betroffene, Life Design Coach und Dozentin. Im Gespräch erklärt sie, wie man vom Wissen ins Tun kommt und warum kleine Schritte entscheidend sind.
Lars Gubler • 10. April 2026

Frau Spring, Sie leiten eine neue Webinar-Reihe für die SVMB. Worum geht es dabei?

Es geht um ein praxisorientiertes Coaching, bei dem Werkzeuge für den Alltag vermittelt werden. Themen sind etwa Motivation, Energiehaushalt, der Umgang mit schwierigen Phasen und eine proaktive Lebensgestaltung. Ich stelle jeweils ein bis zwei konkrete Tools vor, die man sofort ausprobieren und später für sich vertiefen kann. Wichtig ist auch der Austausch in der Gruppe: Andere bringen Ideen ein, auf die man selbst nicht gekommen wäre. So merken die Teilnehmenden, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind.

Life Design ist die Grundlage Ihres Ansatzes. Was genau bedeutet das?

Life Design kommt aus der Innovationsmethode des Design Thinking: zuerst die Situation verstehen, dann viele Ideen entwickeln, kleine Schritte ausprobieren und wieder reflektieren. Dieser Kreislauf wiederholt sich ständig. Es geht darum, individuelle Lösungen zu finden, denn es gibt kein Patentrezept. Gerade mit einer Diagnose wie Morbus Bechterew braucht es Eigenverantwortung und das Gefühl von Selbstwirksamkeit. An der Diagnose kann man nichts ändern. Aber man kann sein Leben trotz Einschränkungen so positiv wie möglich gestalten.

Wo liegt der Unterschied zu einer klassischen Psychotherapie?

Ein Coaching ist niederschwellig, praxisnah und lösungsorientiert. Es geht nicht darum, Vergangenes aufzuarbeiten, sondern darum, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen, vom Denken ins Handeln zu kommen und, wo nötig, Hindernisse zu überwinden. Ein Coaching unterstützt, hat aber auch Grenzen und kann eine Psychotherapie nicht ersetzen.

Warum rückt die psychische Gesundheit bei chronisch-körperlichen Erkrankungen heute so stark in den Fokus?

Weil sie enorm wichtig ist. Die Forschung zeigt, dass 40% unseres Wohlbefindens von uns selbst beeinflussbar sind – trotz Krankheit, trotz Einschränkungen. Natürlich gibt es Grenzen. Aber wir haben oft mehr Spielraum, als wir denken. Ausserdem müssen es nicht immer grosse Sprünge sein. Auch kleine Schritte sind ein Fortschritt.

Das klingt leichter gesagt als getan. Warum fällt es so schwer, ins Handeln zu kommen?

Wir kennen alle die Lücke zwischen «Ich will» und «Ich tue». Häufig scheitern wir, weil wir uns einschränken oder den falschen Zeitpunkt wählen. Life Design hilft, mit kleinen, risikofreien Experimenten ins Tun zu kommen: Statt gleich ein Fitnessgerät zu kaufen, probiere ich vielleicht erst einmal einen Spaziergang oder eine Therapiegruppe aus. Auch sozialer Druck kann helfen – zum Beispiel, wenn ich mich mit einer Person zum Training verabrede. Zudem ist Proaktivität ein wichtiger Aspekt beim Life Design. Also nicht nur zu reagieren, sondern vorauszuschauen und mitzugestalten.

Sie betonen, dass man auch auf kleine Erfolge stolz sein darf. Warum ist das so wichtig?

Wir tun uns oft schwer mit Eigenlob, und negative Dinge werden oft stärker wahrgenommen als positive. Aber wenn ich trotz Müdigkeit ins Training gehe, ist das ein Erfolg. Und vielleicht habe ich einen schwierigen Start in den Tag, aber am Nachmittag ein schönes Erlebnis. Solche Momente bewusst wahrzunehmen steigert das Wohlbefinden. Dankbarkeitstagebücher oder kleine Rituale sind einfache Möglichkeiten, diese Haltung zu fördern.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 107 erschienen.